Filmtipp: Get Out (2017)

Kein Trailer hier, da zu viel verraten wird…

If I could, I would have voted for Obama for a third term

Bei den Schwiegereltern zu Besuch. Was kann da schon schiefgehen? Eine ganze Menge anscheinend.

Das Regiedebüt Jordan Peeles, einer Hälfte des Comedy-Duos Key & Peele, versetzt den Zuschauer unmittelbar in die unangenehme Lage, die Eltern der neuen Beziehung kennen lernen zu müssen. Viel Schlimmeres kann es fast nicht mehr geben. Was jedoch wie ein Sketch klingt ist letzten Endes keiner, da dies keine Komödie ist, sondern ein …

Horrorfilm?

Schon irgendwie, ja. Aber erstmal von Anfang an:
„Wissen deine Eltern, dass ich schwarz bin?“ fragt Chris seine Freundin Rose. „Nein“, so Rose, das würde keinen Unterschied machen. Und tatsächlich, der erste Eindruck ist positiv, die Eltern sehr nett und zuvorkommend. „Wenn ich gekonnt hätte, ich hätte Obama nochmal gewählt“, sagt der Vater bei einer Führung über das Anwesen. Die perfekte liberale Mittelschicht. Was gibt’s da nicht zu mögen?

Erste Zweifel

Aber warum haben Roses Eltern eigentlich ausschließlich farbige Bedienstete? Naja, die sind „noch von früher“, Angestellte der Großeltern, die wollte man nicht auf die Straße setzen, als diese verstarben. Als Chris erste Kontaktversuche mit ihnen aufnehmen will, reagieren die Haushaltshilfen jedoch recht eigenwillig. Am Abend des ersten Tages lernt Chris auch Roses Bruder erstmalig kennen. Und ab da merkt auch Chris, dass vielleicht das eine oder andere nicht stimmt. „Aber er hat Alkohol getrunken“. Na dann…

Am nächsten Tag jedoch…

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten, da dies auf jeden Fall einer der Filme ist, der von seinen Überraschungen lebt. Was Get Out sehenswert macht, ist, dass der Regisseur und Drehbuchautor Peele eine der Hauptregeln im Kino befolgt: „Show, don’t tell“. Ein wahre Wohltat, wenn man als Zuschauer nicht für doof gehalten wird und einem jedes Detail erläutetet wird, vor allem und besonders im Horrorfilmgenre.

Zudem sind einige Kleinigkeiten im Film eingebaut, die beim ersten Anschauen vielleicht gar nicht auffallen. Klischees werden bewusst vorgeführt und Stilmittel des Genres genutzt (Stichwort „Jumpscare“), aber wohl dosiert und angereichert mit einer ordentlichen Prise Humor.

Wo wir bei einer der Stärken des Films sind: Timing. Wie in seinen Sketchen mit Comedy-Partner Keegan-Michael Key schon gezeigt, weiß er dem Film zur rechten Zeit eine andere, lustige Note zu geben, ohne ihn in eine Horrorkomödie entgleiten zu lassen.

Insgesamt ist der Film gut, für Freunde des Genres sehenswert. Er gliedert sich schön in eine neue Riege von Gruselfilmen ein, die mit Babadook und It follows ebenfalls sehenswerte Vertreter sind. Falls man den Film aber im Kino verpasst hat: halb so schlimm, alles stehen und liegen lassen muss man für Get out auch nicht.

Regie: Jordan Peele
Darsteller: Daniel Kaluuya, Allison Williams, Bradley Whitford, Catherine Keener

Quelle(n):
IMDb
Rotten Tomatoes
Wikipedia

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