Filmtipp: Alien – Covenant (2017)

„Im Weltall hört dich keiner schreien“ war einmal. „Für’s Weltall musst Du nicht studiert haben“ ist anscheinend das neue Motto.

No one understands the lonely perfection of my dreams.

In Zukunft scheint es ja bedeutend einfacher zu sein, Arzt oder Wissenschaftler zu werden. Vielleicht wurde sich auch mit dem Nachfolger des Internets durch das Examen geschummelt. Jedenfalls kann ich es mir anders nicht erklären, was für Trottel in circa neun Generationen als Akademiker durchgehen sollen, die für den Fortbestand der Menschheit verantwortlich sind.

Alien: Covenant ist kein schlechter Film. Aber er ist eigentlich auch kein Alien-Film. Zeitlich ein paar Jahre nach Alien: Prometheus spielend, wäre Prometheus 2 (oder: Prometheus – Jetzt erst recht!) der passendere Titel gewesen. Die Handlungsprämisse des Films – ein Kolonieschiff mit 2.000 Menschen und 1 Androiden an Bord geht einem Notsignal nach – ist recht überschaubar und auch recht absehbar.

Natürlich, wie im direkten Vorgänger, läuft die Suche nach dem Ursprung des Notsignals recht schnell schief. Jedoch wird man entweder nach einigen Jahren im Hyperschlaf blöd, oder – wie oben bereits vermutet – die Aufnahmebedingungen, um als Wissenschaftler an Bord eines Kolonieschiffs zu gelangen, sind nun ja, sagen wir mal: lax. Eine Waffe bekommt anscheinend jeder in die Hand gedrückt, der fremde Planeten erkundet. Aber dass fremde Flora und Fauna vielleicht nicht Zigarette rauchend (!) und sorglos herumtrampelnd erforscht werden sollte, wurde im Kurzseminar zur Weltenbesiedlung offenkundig nicht behandelt.

Wer nichts wird, wird Wirt

Sei’s drum, man braucht ja auch Opfer (hier: Wirte) in einem Alien-Film. Eigentlich müssten die austauschbaren, namenlosen Kollegen der Protagonistin des Films (Katherine Waterston als Sigourney-Weaver-Double gecastet) allesamt Star-Trek-mäßig rote Uniformen tragen. Aber dann würde das ganze Blut vielleicht nicht mehr so gut zu erkennen sein, mit dem hier beileibe nicht gespart wird.

Was im weiteren Verlauf mehr oder weniger ohne größere Überraschungen passiert, soll hier nicht beschrieben werden. Nur so viel: es ist jammerschade, dass die durchaus vorhandenen interessanten Ansätze des Films leider auch nur genau das sind: Ansätze. Was ist Leben? Wo endet künstliches, wo beginnt „echtes“ Leben? Gibt es einen Schöpfer? Aufstand von Schöpfung über dessen Erzeuger. Allesamt interessante Themen in der Geschichte, die aber nicht weiter ausgearbeitet sind, sondern nur kurz angerissen werden.

Was so unglaublich schade heutzutage ist. Da haben Filme, mehrere bis hunderte von Millionen Dollar teure Produktionen, so unglaublich viel Geld zu Verfügung. Warum bleibt dann so oft so wenig Geld für kluge Drehbuchschreiber übrig? Und warum selbst ein Regisseur wie Ridley Scott dem Reiz obliegt, das Geld für eine noch größere Explosion und Spezialeffekte zu ver(sch)wenden? Handwerklich ist dem Film auch nicht das Geringste vorzuwerfen. Die Ausstattung, Inszenierung, Kamera, Schnitt, Effekte, ja, die gesamte Produktion ist auf allerhöchstem Stand.

Hello my baby, hello my honey

Nur, wenn es dann um die Geschichte und die Charaktere des Films geht, hätte Scott sich besser vorher nochmal seinen eigenen Film aus dem Jahr 1979 angesehen. Das Original macht nämlich alles besser, was Einführung und Aufbau der Figuren betrifft. Als Zuschauer sorgte man sich um diese kleine Schar von Leuten in auswegloser Situation.

Wenn in Covenant indes mal wieder ein kleiner Xenomorph aus der Brust (oder – große Abwechslung – aus dem Rücken) von Crew-Mitglied Nr. 8 heraus bricht und sich seiner Umwelt präsentiert, wartet man fast nur darauf, dass er einen kleinen Hut aufsetzt und los singt.

Dann doch lieber nochmal Spaceballs gucken.

Regie: Ridley Scott
Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup

Quelle:
IMDb

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